{"id":1447,"date":"2026-03-16T16:45:47","date_gmt":"2026-03-16T16:45:47","guid":{"rendered":"https:\/\/dgvm.ch\/2026\/03\/16\/ag-oder-gmbh-gruenden-welche-rechtsform-passt-besser\/"},"modified":"2026-03-16T19:25:04","modified_gmt":"2026-03-16T19:25:04","slug":"ag-oder-gmbh-gruenden-welche-rechtsform-passt-besser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dgvm.ch\/de\/2026\/03\/16\/ag-oder-gmbh-gruenden-welche-rechtsform-passt-besser\/","title":{"rendered":"AG oder GmbH gr\u00fcnden: Welche Rechtsform passt besser?"},"content":{"rendered":"<h1>AG oder GmbH gr\u00fcnden: Welche Rechtsform passt besser?<\/h1>\n<p>Die Wahl der richtigen Rechtsform ist eine der fundamentalsten Entscheidungen bei der Gr\u00fcndung eines Unternehmens in der Schweiz. zwei Kapitalgesellschaftsformen dominieren dabei den Markt: die <strong>Aktiengesellschaft (AG)<\/strong> und die <strong>Gesellschaft mit beschr\u00e4nkter Haftung (GmbH)<\/strong>. Beide bieten den entscheidenden Vorteil der beschr\u00e4nkten Haftung, unterscheiden sich jedoch in puncto Kapitalanforderungen, Struktur, Flexibilit\u00e4t und steuerlicher Behandlung erheblich.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<h2>1. Grundlegende Unterschiede im \u00dcberblick<\/h2>\n<p>| Kriterium | Aktiengesellschaft (AG) | GmbH |<\/p>\n<p>|&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;|&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-|&#8212;&#8212;|<\/p>\n<p>| <strong>Mindestkapital<\/strong> | CHF 100&#8217;000 | CHF 20&#8217;000 |<\/p>\n<p>| <strong>Mindestkapital bei Gr\u00fcndung<\/strong> | CHF 50&#8217;000 (50% einbezahlt) | CHF 20&#8217;000 (vollst\u00e4ndig einbezahlt) |<\/p>\n<p>| <strong>Gr\u00fcnder<\/strong> | Mindestens eine Person | Mindestens eine Person |<\/p>\n<p>| <strong>Organstruktur<\/strong> | Verwaltungsrat obligatorisch | Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer (oft identisch mit Gesellschaftern) |<\/p>\n<p>| <strong>Haftung<\/strong> | Nur Aktiven haften | Nur Gesellschaftsverm\u00f6gen haftet |<\/p>\n<p>| <strong>\u00dcbertragung Anteile<\/strong> | Frei handelbare Aktien | Genehmigungspflichtig |<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<h2>2. Die Aktiengesellschaft (AG)<\/h2>\n<h3>2.1 Wesen und Charakteristik<\/h3>\n<p>Die Aktiengesellschaft ist die klassische Rechtsform f\u00fcr gr\u00f6ssere Unternehmen und bezeichnet eine <strong>Kapitalgesellschaft<\/strong>, deren Grundkapital in Aktien zerlegt ist. Die Aktion\u00e4re haften nur mit ihrer Einlage \u2013 das Gesellschaftsverm\u00f6gen ist vom Privatverm\u00f6gen der Gesellschafter getrennt.<\/p>\n<h3>2.2 Vorteile der AG<\/h3>\n<p><strong>Kapitalbeschaffung:<\/strong> Mit einem Mindestkapital von CHF 100&#8217;000 eignet sich die AG besonders f\u00fcr Unternehmen mit h\u00f6herem Kapitalbedarf. Die Struktur als AG vermittelt gegen\u00fcber Banken, Investoren und Gesch\u00e4ftspartnern oft einen professionelleren Eindruck.<\/p>\n<p><strong>Einfache Anteils\u00fcbertragung:<\/strong> Aktien k\u00f6nnen grunds\u00e4tzlich frei \u00fcbertragen werden (sofern die Statuten nichts anderes vorsehen), was den Ein- und Ausstieg von Investoren erleichtert. Dies ist besonders relevant f\u00fcr Unternehmen, die eine sp\u00e4tere Finanzierungsrunde oder einen B\u00f6rsengang anstreben.<\/p>\n<p><strong>Klare Struktur:<\/strong> Die obligatorische Einrichtung eines Verwaltungsrates schafft klare Verantwortlichkeiten und Governance-Strukturen, was bei komplexeren Unternehmensstrukturen von Vorteil ist.<\/p>\n<p><strong>Image und Reputation:<\/strong> Die AG geniesst in der Gesch\u00e4ftswelt oft ein h\u00f6heres Ansehen als die GmbH, was insbesondere im internationalen Gesch\u00e4ft von Bedeutung sein kann.<\/p>\n<h3>2.3 Nachteile der AG<\/h3>\n<p><strong>H\u00f6heres Kapitalrisiko:<\/strong> Das erforderliche Mindestkapital von CHF 100&#8217;000 (davon CHF 50&#8217;000 sofort einzuzahlen) stellt f\u00fcr viele Startups und KMU eine erhebliche H\u00fcrde dar.<\/p>\n<p><strong>Komplexere Organisation:<\/strong> Der gesetzlich vorgeschriebene Verwaltungsrat erfordert regelm\u00e4ssige Sitzungen und Protokolle. Die Entscheidungsfindung kann durch mehrere Gremien verlangsamt werden.<\/p>\n<p><strong>Weniger Flexibilit\u00e4t:<\/strong> Im Vergleich zur GmbH ist die AG weniger flexibel, da \u00c4nderungen der Statuten und Kapitalerh\u00f6hungen formell aufw\u00e4ndiger sind.<\/p>\n<p><strong>Gr\u00f6ssere Transparenz:<\/strong> Die AG unterliegt strengeren Publizit\u00e4tspflichten, was f\u00fcr Unternehmen, die ihre Strukturen privat halten m\u00f6chten, nachteilig sein kann.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<h2>3. Die Gesellschaft mit beschr\u00e4nkter Haftung (GmbH)<\/h2>\n<h3>3.1 Wesen und Charakteristik<\/h3>\n<p>Die GmbH ist eine <strong>Kapitalgesellschaft<\/strong> mit minimiertem Kapitaleinsatz und bietet eine Zwischenl\u00f6sung zwischen der Einzelfirma und der AG. Sie kombiniert die beschr\u00e4nkte Haftung mit einer einfacheren Struktur und geringeren Kapitalanforderungen.<\/p>\n<h3>3.2 Vorteile der GmbH<\/h3>\n<p><strong>Niedriges Mindestkapital:<\/strong> Mit nur CHF 20&#8217;000 ist die GmbH deutlich niedrigschwelliger als die AG. Das gesamte Kapital muss bei Gr\u00fcndung eingezahlt werden, was zwar Liquidit\u00e4t bindet, aber auch die Ernsthaftigkeit der Gr\u00fcndung unterstreicht.<\/p>\n<p><strong>Flexibilit\u00e4t:<\/strong> Die GmbH ist besonders flexibel, da sowohl eine Person als Gr\u00fcnderin auftreten kann und die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung oft identisch mit den Gesellschaftern ist. Die Entscheidungsfindung ist schneller und weniger b\u00fcrokratisch.<\/p>\n<p><strong>Steuerplanung:<\/strong> Die Gewinne k\u00f6nnen durch variable Lohn- und Dividendenzahlungen optimiert werden. Allerdings gilt hier die <strong>Doppelbesteuerung<\/strong> als wesentlicher Nachteil (dazu unten mehr).<\/p>\n<p><strong>Kontrolle \u00fcber Anteile:<\/strong> Die \u00dcbertragung von Gesch\u00e4ftsanteilen erfordert die Zustimmung der \u00fcbrigen Gesellschafter (mindestens 75%). Dies kann zwar ein Nachteil sein, wenn man Anteile \u0441\u0432\u043e\u0431\u043e\u0434\u043d\u043e verkaufen m\u00f6chte, bietet aber auch Schutz vor unerw\u00fcnschten Gesellschaftern.<\/p>\n<h3>3.3 Nachteile der GmbH<\/h3>\n<p><strong>Doppelbesteuerung:<\/strong> Der wesentlichste Nachteil der GmbH ist die <strong>wirtschaftliche Doppelbesteuerung<\/strong>: Die Gewinne werden zun\u00e4chst auf Ebene der Gesellschaft besteuert (Gewinnsteuer), und anschliessend werden die Dividendenauszahlungen auch beim Gesellschafter besteuert (Einkommenssteuer). Dies steht im Gegensatz zur Einzelfirma, wo nur eine Besteuerung auf pers\u00f6nlicher Ebene erfolgt.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbertragungsbeschr\u00e4nkungen:<\/strong> Die Anteile k\u00f6nnen nicht frei gehandelt werden. F\u00fcr Unternehmer, die ihre Gesellschaftsanteile ohne die einstimmige Zustimmung der anderen Parteien \u00fcbertragen wollen, ist die GmbH weniger attraktiv.<\/p>\n<p><strong>Weniger Reputation:<\/strong> Im internationalen Gesch\u00e4ft kann die GmbH weniger Reputation geniessen als die AG, insbesondere in L\u00e4ndern, in denen diese Rechtsform weniger bekannt ist.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<h2>4. Steuerliche Aspekte<\/h2>\n<h3>4.1 Doppelbesteuerung bei GmbH und AG<\/h3>\n<p>Sowohl AG als auch GmbH sind als Kapitalgesellschaften eigenst\u00e4ndige Steuersubjekte. Die Gewinne werden auf Gesellschaftsebene besteuert. Bei einer Aussch\u00fcttung als Dividende kommt es dann zur <strong>Doppelbesteuerung<\/strong>: Der Gewinn wird sowohl auf Gesellschaftsebene (Gewinnsteuer) als auch auf pers\u00f6nlicher Ebene (Einkommenssteuer) besteuert.<\/p>\n<p><strong>Unterschied:<\/strong> Bei der GmbH f\u00e4llt diese Problematik st\u00e4rker ins Gewicht, da sie typischerweise von kleineren Unternehmen genutzt wird, bei denen die Gesellschafter auch Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer sind und daher einen Grossteil ihres Einkommens aus Dividenden beziehen. Die AG mit gr\u00f6sserem Kapital und mehreren Aktion\u00e4ren verteilt dieses Problem auf mehr Schultern.<\/p>\n<p><strong>Steueroptimierung:<\/strong> Eine geschickte Gestaltung der Verg\u00fctung (Lohn vs. Dividende) kann die Steuerbelastung reduzieren. Bei der GmbH ist dies besonders relevant, da niedrigere Dividenden oder h\u00f6here Lohnzahlungen die Doppelbesteuerung teilweise mildern k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>4.2 Kantonsovarianzen<\/h3>\n<p>Die Gewinnsteuers\u00e4tze variieren erheblich zwischen den Kantonen. Per 2020 wurde die Unternehmenssteuer reformiert (STAF), wodurch die Unterschiede zwischen den Kantonen kleiner wurden. Dennoch bleibt die Standortwahl steuerlich relevant \u2013 Kantone wie Schwyz, Zug oder Luzern bieten oft g\u00fcnstigere Konditionen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<h2>5. Praktische Entscheidungshilfen<\/h2>\n<h3>5.1 W\u00e4hlen Sie die AG, wenn:<\/h3>\n<p>&#8211; Ihr Kapitalbedarf CHF 100&#8217;000 \u00fcbersteigt oder Sie diesbez\u00fcglichflexibel sein m\u00f6chten<\/p>\n<p>&#8211; Sie eine einfache \u00dcbertragbarkeit der Anteile ben\u00f6tigen (z.B. f\u00fcr Investoren)<\/p>\n<p>&#8211; Sie ein professionelles Image im internationalen Gesch\u00e4ft anstreben<\/p>\n<p>&#8211; Sie eine klare Governance-Struktur mit Verwaltungsrat w\u00fcnschen<\/p>\n<p>&#8211; Sie einen B\u00f6rsengang oder gr\u00f6ssere Finanzierungsrunden in Betracht ziehen<\/p>\n<h3>5.2 W\u00e4hlen Sie die GmbH, wenn:<\/h3>\n<p>&#8211; Sie ein kleines oder mittleres Unternehmen f\u00fchren<\/p>\n<p>&#8211; Ihr Kapitalbedarf unter CHF 100&#8217;000 liegt<\/p>\n<p>&#8211; Sie Wert auf Flexibilit\u00e4t und schnelle Entscheidungsfindung legen<\/p>\n<p>&#8211; Sie das Unternehmen vorerst allein oder mit wenigen Partnern f\u00fchren m\u00f6chten<\/p>\n<p>&#8211; Sie die M\u00f6glichkeit zur optimierten Gewinnaussch\u00fcttung nutzen m\u00f6chten (unter Ber\u00fccksichtigung der Doppelbesteuerung)<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<h2>6. Fazit<\/h2>\n<p>Die Wahl zwischen AG und GmbH h\u00e4ngt wesentlich von den spezifischen Umst\u00e4nden des Unternehmens ab. Die AG eignet sich f\u00fcr kapitalintensive Vorhaben, Unternehmen mit Investoren und solche, die ein hohes Mass an Reputation ben\u00f6tigen. Die GmbH ist die bevorzugte Wahl f\u00fcr KMU, Startups mit begrenztem Kapital und Unternehmer, die Flexibilit\u00e4t und einfache Strukturen sch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Beide Rechtsformen bieten den Vorteil der beschr\u00e4nkten Haftung und sind in der Schweiz etabliert. Eine individuelle Beratung durch einen Treuh\u00e4nder oder Rechtsanwalt ist empfehlenswert, um die f\u00fcr die spezifische Situation optimale L\u00f6sung zu finden.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong>Hinweis:<\/strong> Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine rechtliche oder steuerliche Beratung. F\u00fcr konkrete Entscheidungen empfehlen wir die Konsultation eines qualifizierten Treuh\u00e4nders oder Rechtsanwalts.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>*Artikel ver\u00f6ffentlicht am 14. M\u00e4rz 2026*<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>AG oder GmbH gr\u00fcnden: Welche Rechtsform passt besser? Die Wahl der richtigen Rechtsform ist eine der fundamentalsten Entscheidungen bei der Gr\u00fcndung eines Unternehmens in der Schweiz. zwei Kapitalgesellschaftsformen dominieren dabei den Markt: die Aktiengesellschaft (AG) und die Gesellschaft mit beschr\u00e4nkter Haftung (GmbH). 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